Monate: Januar 2017

**Auf den Markt mit PUPPA BERLIN!**

Ich schätze meine Arbeit als Puppenmacherin sehr: Ich liebe es, die feinen Gesichter aufzusticken, kleine Persönlichkeiten entstehen zu lassen. 

Stoffe (ausschließlich GOTS-zertifiziert) für die passende Kleidung zu betasten, auszuwählen, zu kombinieren.

Gerade auch die Stille und Abgeschiedenheit des Fertigungsprozesses hier in meiner kleinen Puppenmacherei liegen mir sehr. (Dieses wird sicher auch dadurch begünstigt, dass mein Alltag mit vier Kindern ansonsten sehr laut und trubelig und energiegeladen ist…).

Mindestens so sehr wie die Stille schätze ich aber auch meine dazu in Kontrast stehenden, quirligen Kurstage: die Geselligkeit und das gemeinsame Tun geben mir und meiner Puppenmacherinnen-Seele sehr viel.

Seit ich mit der Einführung meiner Website von PUPPA BERLIN im letzten Februar meine Babypause offiziell beendet habe und wieder ganz in die Puppenmacherei eingestiegen bin, habe ich noch einen neuen Gedanken im Kopf: Ich möchte (wieder) einmal rausgehen mit meinen Puppen. Heraus aus der Abgeschiedenheit und Stille meiner Werkstatt.

Hinein ins Leben. Hinein in Gespräche über Puppen – denn: Ich liebe Gespräche über Puppen. Ich werde nicht müde für die Einzigartigkeit und Wichtigkeit der Puppe als Kinderspielzeug, aber auch als Seelentröster, Handschmeichler und Gefährten für das „innere Kind“ von uns „Erwachsenen“, zu werben.

Ich fachsimple wahnsinnig gern über die Puppenherstellung. 

Und am allerliebsten lausche ich alten und neuen Geschichten und Erinnerungen rund um die Puppe.

Und aus all‘ diesen Gedanken heraus habe ich mir überlegt, mit PUPPA BERLIN in diesem Jahr an zwei Frühlingsmärkten teilzunehmen: einmal in Potsdam, einmal hier in Berlin.

Für mich persönlich ist das ein ziemlich mutiger Schritt, denn er beinhaltet für mich auch eine Art Traumabewältigung (naja, gut, Trauma ist hier vielleicht etwas zu dick aufgetragen – aber für mich war es seinerzeit tatsächlich ein Erlebnis, auf dem ich seeeeeeeehr lang herum gekaut habe):

Einmal, etwa 2008, habe ich mich voller Enthusiasmus mit meinen Puppen für einen Kunsthandwerkermarkt in Münster angemeldet.

Gefühlt habe ich Tag und Nacht genäht (Damals hatte ich erst zwei Kinder, doch die waren noch richtig klein), es war eine große organisatorische Herausforderung für mich.

Vorfreudig fuhr ich dann an dem großen Tag, zusammen mit meinem Mann und das Auto voll geladen mit Puppenkindern, nach Münster.

Und dann? Nun, verkauft habe ich an diesem Tag – fast – nichts! Es war schrecklich: Der Markt fand in der Fussgängerzone von Münster statt: Hunderte von Passanten kamen vorbei, ungefähr jeder von ihnen lächelte meine Puppen an, nahm sie hoch, beschaute sie. Nur, um sie dann ebenso schnell wieder abzusetzen, wenn sie die Preise hörten…

Am Stand neben mir verkaufte eine Dame Plastikblumen, arrangiert in Reagenzgläsern (!): Sie konnte gar nicht so schnell ihr Wechselgeld zählen und rausgeben wie ihr die Scharen von Kunden die bunten Kunststoff-Stengel aus den Händen rissen. Es war ein – Desaster für mich: Quälend langsam verstrichen die Stunden, ich fühlte mich schrecklich. Unwillkommenes Mitleid der anderen Marktteilnehmer schwappte zu mir herüber und raubten mir damit auch noch das letzte Fitzelchen meiner (nicht vorhandenen) Marktfrauen-Ehre…

Irgendwann, kurz vor Ende des Marktes, kam die Veranstalterin desselben zu mir an den Stand.

Sie war es, die schließlich an diesem Tag meine einzige Kundin werden sollte: Ich weiß es noch genau, behutsam und freudig wählte sie ein grün gekleidetes Puppenmädchen für ihr Patentkind Maja aus.

Und sie hat mich dadurch und durch ihre Worte gerettet: Sie meinte damals, eigentlich sei sie, nach all‘ den Jahren, dieser ganzen Kunsthandwerker-Dinge recht müde geworden und ich solle es als ein großes Kompliment betrachten, dass sie nun eine Puppe bei mir kaufe. Außerdem erinnerten meine Puppen sie an jene von Anne Kohlschmidt – ein solcher Vergleich kommt in meinem Berufszweig in etwa einem Ritterschlag gleich… (Gut, ob dieser Vergleich in diesen frühen Jahren meiner Puppenmacherei schon gerechtfertigt war sei einmal dahin gestellt – aber, immerhin: er war meine Rettung!) Es war ein scheußlicher Tag, aber Dank der Veranstalterin erhielt ich am Ende des Tages ein wenig meiner Puppenmacherinnen-Würde!

Lange Rede, kurzer Sinn: Nie wieder habe ich seither an einem Markt teilgenommen!

Mittlerweile habe ich aber natürlich auch verstanden, dass niemand mal ebenso im Vorbeigehen eine hochpreisige, da von Hand genähte, Puppe kauft. Damals wusste ich das nicht und mein Sortiment bestand aus nichts anderem als aus zeitaufwendig genähten Puppenkindern…

Doch jetzt, fast zehn Jahre nach meiner persönlichen Münster-Niederlage, will ich es noch einmal wissen! Ich will meine Puppen „nach draußen“ bringen (aber nicht in eine Fußgängerzone – oh no!)! Ich will Puppengespräche! Und, ganz klar: Ich möchte den neuen Besitzern meiner Puppenkinder natürlich auch die Chance geben, meine Puppen  endlich kennen zu lernen, lieben zu lernen und schließlich nach Hause zu tragen… Und so entwerfe und nähe ich in diesen Tagen Puppen aller möglichen Größen und Beschaffenheiten. 

Kleine Puppen für ganz kleine Kinder (falls Ihr selbst kreativ werden möchtet: gute Inspirationen für Puppen für die Allerkleinsten findet Ihr zum Beispiel hier).

Mittelgroße Puppen.

 Spieluhr-Puppen. Tuchpuppen.

Schmusepuppen. 

Puppen mit beweglichen Ellbogen und Kniebeugen: Ich tobe mich richtig aus!

Und ich frage mich – und Euch – : was wünscht Ihr Euch noch an dem Stand einer Puppenmacherin? DIY-Sets für das Puppennähen daheim? Puppenkleidung? 

Falls Ihr Anregungen, Wünsche, Vorschläge und Ideen habt, dann schreibt mir eine Mail – ich freue mich über jeden Tipp: info“AT“puppa-info.com

Und: haltet mir die Daumen!

Und zuletzt: kommt doch einfach vorbei: am 12. März in Potsdam und am 23. April in Berlin – ich freue mich auf Euch!

Weitere kreative Werkeleien findet Ihr auch hier:

Creadienstag, Dienstagsdinge, Handmade on Tuesday

12 von 12 im Januar

Heute ist der 12. Januar und heute machen Puppa und ich wieder mit bei dem schönen monatlichen Fotoprojekt „12 von 12“, organisiert von Frau Kännchen.

Ich bringe alle meine Kinder in den Kindergarten bzw. zur Schule – mehr Januar als hier und heute geht fast nicht…

Zuhause mache ich es mir warm und gemütlich und beginne meinen Arbeitstag. Nicht, ohne vorher noch Tee zu kochen:

…und meinen neuen Teebecher ranzuholen, den ich diese Woche von einer lieben Freundin geschenkt bekommen habe. Er gefällt mir so gut, weil er so schön griffig und massiv ist.

Freundlicher Weise leistet uns heute auch dieser Knirps Gesellschaft: meine Nichte hat ihn am Wochenende spontan aus einem Kappla-Stein herausgesägt und dann mit Farbe zum Leben erweckt. Was manche nicht so alles in einem simplen Holzklötzchen sehen…

Puppa hat irgendwo in meinem Arbeitszimmer noch diese alten Schühchen gefunden. Muss lange her sein, dass ich die gehäkelt habe: heute würde ich solch‘ ein grobes Garn nicht mehr verwenden – als begeisterte Spielzeugherstellerin verwende ich heute aus Überzeugung nur noch feinere Garne und nur noch solche aus kontrolliert biologischer Haltung.

Wie fast jeden Morgen, beginne ich meinen Arbeitstag mit einer Stunde Büroarbeit: Überweisungen, Korrespondenz etc. Heute muss ich einen Termin beantragen für einen neuen Personalausweis. Weil ich nicht quer durch Berlin fahren mag, sondern hier in mein Bürgeramt in Prenzlauer Berg gehen möchte, muss ich Geduld mitbringen: Ich bekomme einen Termin für den 28. Februar, 13:48 Uhr, sind ja nur noch schlappe sieben Wochen.

So, jetzt sind aber endlich diese kleinen Lieblinge hier dran: Es gilt, Gesichtchen aufzusticken

Das dauert bis zum Mittagessen:

Pling, eine Nachricht mit Foto erreicht mich, geschickt von meinem Lieblingsvetter: dieses Foto hat er gerade beim Herumkramen gefunden. Das bin ich, vermutlich 1976. Jetzt treibt mich die Frage um: Wo ist bloß diese fantastische Jacke geblieben…?

Nachmittags, meine Kinder habe ich wieder eingesammelt, klingelt es: Juhuu, cool! Der DPD-Mann bringt endlich meine Flyer! Aber, häää – was ist das – och nö, eine Falschlieferung. Mist, jetzt dauert es wieder ein paar Tage, bis endlich MEINE Flyer geliefert werden.

Wie gut, dass ich meine Plakatchen hier selbst ausdrucken kann, da kann so etwas nicht passieren.

Zum Abendessen machen wir uns Buchteln. Jedes Hefegebäck ist, schon seit Kindertagen, meine Leidenschaft (was rede ich – nicht nur jedes Hefegebäck, JEDES Gebäck… ) Erst müssen sie gehen:

Puppa ist schon ganz müde, aber wir anderen hantieren hier noch vergnügt mit Buchteln und Vanillesauce, mh…

Jetzt ist es auch schon gleich Zeit fürs Bett – zumindest für die Kinder, gute Nacht!